Zu Besuch im Demokratieladen in Kahla

Die Kleinstadt in Thüringen ist nicht nur für ihr Porzellan bekannt, sondern seit Jahren leider auch für das große Problem mit Rechtsradikalen.

Die rechtsradikalen Strukturen reichen bis in die 90er Jahre, als Karl-Heinz Hoffmann, der Gründer der „Wehrsportgruppe Hoffmann“ nach Kahla zog*. Mit der „Burg 19“ besitzen Rechtsradikale ein eigenes Wohnprojekt und Freizeitzentrum in der Stadt. Neonazis, die aus dem benachbarten Jena verdrängt wurden, siedelten sich hier an.

Michael Schaffhauser berichtet von der Situation in Kahla

Doch es gibt auch das andere Kahla. Im Stadtzentrum stellt mir Michael Schaffhauser den Demokratieladen vor. Hier werden Vorträge und Workshops angeboten und Menschen bei der Umsetzung eigener Ideen unterstützt. Der Demokratieladen ist offen für alle, die sich austauschen, engagieren und informieren wollen. Gleichzeitig ist er ein Schutzraum für Opfer von Diskriminierung und rechter Gewalt.

Dass es einen solchen Schutzraum dringend braucht, zeigen die vielen Angriffe gegen den Demokratieladen. Bereits in der Nacht seiner Eröffnung im Jahr 2013 wurden die Scheiben eingeworfen. Regelmäßig werden Hakenkreuze an die Fassade geschmiert oder das Türschloss verklebt.

Die Eingangstür zeugt noch heute vom schwersten Angriff auf den Demokratieladen. Vor drei Jahren konnte bei einem Brandanschlag eine Tragödie nur knapp verhindert werden. Es war pures Glück, dass die Flammen nicht übergriffen und die Feuerwehr rechtzeitig zur Stelle war. Die drei Stockwerke oberhalb des Ladens sind bewohnt.

An der Eingangstür sind die Spuren des Brandanschlags noch sichtbar

Michael Schaffhauser sagt, das Problem in Kahla war, dass die Umtriebe der Rechtsradikalen jahrelang weggedrückt und bagatellisiert wurde. In manchen Fällen wurden aus den Opfern gar Täter gemacht: Wen die rechte Gewalt treffe, sei selbst Schuld – meinte so mancher. Jugendliche, die auf einer Stadtversammlung von rechten Umtrieben berichteten, drohte die Stadtverwaltung mit Verleumdungsklagen. So wurden viele mundtot gemacht.

Trotz aller Widerstände hat der Demokratieladen nicht aufgegeben. Veranstaltung um Veranstaltung wurde organisiert und Präsenz gezeigt. Es hat sich ausgezahlt, insbesondere Schülerinnen und Schüler nehmen die Angebote war. Auch lokalpolitische Erfolge wurden erzielt: Bei den Kommunalwahlen im Frühjahr flog die NPD endlich aus dem Gemeinderat.

Vor dem Demokratieladen in Kahla

Hier in Kahla kann man mit eigenen Augen sehen, wie wichtig es ist, die Programme zur Demokratieförderung auf Bundes- und Landesebene nicht nur beizubehalten, sondern zu verstetigen. Projekte wie der Demokratieladen brauchen Planungssicherheit, um in die Gesellschaft hinein wirken zu können.

Als ich mich auf die Weiterfahrt nach Bayern mache, habe ich gemischte Gefühle. Zum Einen war bei meinem Besuch die Verunsicherung zu spüren, die die Rechtsradikalen in diese Stadt gebracht haben. Zum Anderen habe höchsten Respekt vor dem Mut der Menschen im Demokratieladen in Kahla. Sie sind es, die sich mit ihrer positiven Energie gegen die Angst stemmen und ihre Stadt lebenswert machen. Danke.

 

 

*Mit Wehrsportübungen und paramilitärischer Ausbildung bereiteten sich Mitglieder der Wehrsportgruppe Hoffmann bereits in den 70er Jahren auf Terroranschläge vor. Die Gruppierung wurde 1980 als verfassungsfeindlich verboten. Mehr Hintergründe auf Wikipedia.