Wie wir eine 3. Welle verhindern können

Eine 3. Welle können wir nur verhindern, wenn die Infektionszahlen nach dem jetzigen Shutdown stark zurückgegangen sind und wenn die Bundesregierung und auch wir nicht so weitermachen wie bisher.

3. Welle? Ist das nicht etwas pessimistisch? Wir erleben doch gerade erst die 2. Welle.

Nein, denn selbst wenn wir dafür sorgen, dass die Kontaktnachverfolgung und die Teststrategie deutlich effizienter werden, brauchen wir bereits jetzt ein systematisches und wirksames Eingreifen.

Bei Infektionskrankheiten, gegen die fast niemand in der Bevölkerung eine Immunität hat, haben wir es mit potentiell exponentiellen Entwicklungen zu tun und da Sars-Cov-2 für uns Menschen völlig neu ist, ist die Immunität so gering.

Nach heutigen Erkenntnisstand ist das Virus im Oktober/November 2019 von einem Zwischenwirt, der noch immer nicht identifiziert ist, übergesprungen. In Frage kommen dafür eine Reihe von Tierarten z. B. das Schuppentier aber auch Zibetkatzen oder Marderhunde. Seinen Ursprung hat der Virus nach jetzigem Wissen mit hoher Wahrscheinlichkeit bei den Fledermäusen.

Masern z.B. ist ebenfalls eine gefährliche Infektionskrankheit und ist wahrscheinlich vor vielen Hundert Jahren von Rindern auf uns Menschen übergesprungen. Da es in der Bevölkerung aber bereits einen hohen Anteil immuner Menschen gab und gibt und da es mittlerweile einen sehr guten Impfstoff gibt, wirkten und wirken sich Masernepidemien nicht so verheerend aus.

Diese Immunität liegt für Sars-Cov-2 aber nicht vor. Deshalb folgt auf eine 2. Welle, wenn die Maßnahmen gelockert werden und es kein effizientes Konzept dagegen gibt unvermeidlich eine 3. Welle und dann eine 4. Welle usw. Das passiert so lange, bis eine ausreichende Menge an Impfstoff bzw. ein schnell wirkendes Medikament gibt. Eine weitere Alternative wäre die Herdenimmunität. Sie hätte aber Hunderttausende Tote, eine Unmenge an Schwererkrankten und die Überlastung des Gesundheitssystems zur Folge. Sie ist ethisch unverantwortlich.

Wir wissen, dass ein Impfstoff ist wahrscheinlich erst frühestens Mitte nächsten Jahres in ausreichender Menge zur Verfügung steht. Deshalb brauchen wir ein effizientes Eindämmungskonzept. Zu diesem Konzept gehören ausreichend Tests und insbesondere auch der massive Einsatz von Schnelltests. Damit diese jedoch in ausreichender Zahl produziert werden können, müssen wir den Firmen Investitionsgarantien geben.

Ohne diese Garantien bauen die Firmen nicht die entsprechenden Produktionskapazitäten auf, um uns kurzfristig mit einer großen Menge an Schnelltests zu versorgen. Sobald wir jedoch einen Impfstoff in ausreichender Menge haben, werden diese Schnelltests nicht mehr in so großer Menge benötigt. Keine Firma tätigt eine so große, aber kurzfristige Investition. Der Staat ist also gefragt.

Neben den Tests beinhaltet ein solches Eindämmungskonzept ein frühzeitiges, wirksames und bundeseinheitliches Eingreifen bei steigenden Zahlen. Dieses Eingreifen darf nicht am einzelnen Landkreis oder an der einzelnen Stadt hängen. Schon bei 35 Infizierten auf 100.000 Einwohner*innen braucht es Kontaktbeschränkungen, bei 100 Infizierten auf 100.000 Einwohner*innen braucht es einen lokalen Shutdown. Ich kann verstehen, dass das kleinlich klingt. Exponentielle Entwicklungen entfalten allerdings eine Dynamik, die wir Menschen uns schwer vorstellen können, deswegen müssen wir frühzeitig weitreichend eingreifend.

Nur so können wir einer 3. Welle und einem weiteren bundesweiten Shutdown entgehen.

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