Wie weiter im Kampf gegen das Coronavirus?

Die erste Welle der Sars-Cov 2 Epidemie ist bei uns am Abklingen. Die Maßnahmen haben gewirkt und voraussichtlich vielen tausend Menschen das Leben gerettet.

Viele Menschen hoffen jetzt, dass das Virus besiegt ist und wir wieder zum normalen Leben zurückkehren können. Aber das ist leider ein Irrtum. Denn auch nach der 1. Welle ist nur ein sehr geringer Anteil der Menschen immun. Warum ist das Virus für uns Menschen so problematisch?

Das Virus ist nicht nur gefährlich, es ist für uns Menschen auch völlig neu. Das Virus ist wahrscheinlich im Oktober oder November über einen bisher unbekannten Zwischenwirt von Fledermäusen auf den Menschen übergesprungen. Als Zwischenwirte wurden verschiedene Tierarten diskutiert, sowohl Schuppentiere als auch Marderhunde, doch bisher ist es nicht abschließend geklärt.

Auch viele andere Viren sind für uns ziemlich gefährlich. Für die meisten gibt es allerdings entweder einen Impfstoff oder wir waren bereits als Kind daran erkrankt und sind deshalb immun. Gegen das neue Virus sind – nach allem, was man bisher weiß – Menschen mit einer überstandenen Infektion immun.

Für wie lange, ist aber noch nicht geklärt. Außer diesen Menschen ist aber bislang noch niemand immun.Bisher sind in Deutschland knapp 190.000 Menschen positiv auf das für Menschen neue Virus getestet worden. Davon sind gut 170.000 wieder genesen und damit jetzt mit hoher Wahrscheinlichkeit immun.

Selbst wenn nur 10 % der tatsächlich Infizierten getestet wurden, dann wären zum jetzigen Zeitpunkt nur 1,7 Millionen Menschen immun. In Deutschland leben ca. 83 Millionen Menschen. Es wären also selbst bei einer großzügigen Schätzung gerade einmal 2 % der Bevölkerung immun.

Das Sars-Cov 2 Virus hat in unserer Gesellschaft einen R0 Wert von 2,8 bis 3,2. Das bedeutet ohne epidemiologische Gegenmaßnahmen steckt jede*r Infizierte im Schnitt 2,8 bis 3,2 Menschen an. Es handelt sich dabei allerdings um einen Durchschnittswert.

Beim diesem Virus schwankt die Anzahl der Menschen, die jede*r Infizierte ansteckt, ziemlich stark. Viele Infizierte stecken niemanden an, wenige Infizierte stecken sehr viele an. Man nennt sie Superspreader. Dieses Phänomen beschreiben Wissenschaftler*innen mit einem Streufaktor, dem sogenannten k-Faktor. Je kleiner k ist, desto mehr Infektionen gehen auf eine oder einige wenige Personen zurück.

Berechnungen auf Grundlage des R0 Werts und des k-Faktors zeigen, dass ca. 65 % der Bevölkerung immun sein muss, damit die Epidemie von selbst zum Erliegen kommt. Davon sind wir noch meilenweit entfernt.

Das ist auch der Grund, weshalb wir aufmerksam bleiben müssen, bis wir einen Impfstoff haben. Aufmerksamsein bedeutet, dass wir versuchen müssen, eine 2. Welle durch gezielte Bekämpfung der Epidemie zu verhindern.

Wichtige Elemente dafür sind eine ausreichende Ausstattung der Gesundheitsämter mit Mitarbeiter*innen, hohe Testkapazitäten (die dann auch genutzt werden), das Tragen von Masken in Geschäften und ähnlichen Situationen, insbesondere in geschlossenen Räumen und endlich eine funktionierende und freiwillige Corona-App. Mit diesen Maßnahmen können wir eine 2. Welle und die damit einhergehende Überforderung unseres Gesundheitssystems verhindern.

Die Chancen, dass es einen Impfstoff geben wird, sind übrigens gut. Das Virus mutiert zum Glück bisher sehr langsam und verändert seine Oberflächen-Proteine kaum. Das ist ein großer Unterschied zu HIV.

Einer wesentlicher Grund, weshalb es nach Jahrzehnten der Forschung noch immer keine Impfung gegen HIV gibt, ist, dass dieses Virus seine Oberfläche ziemlich schnell verändert. Unser Immunsystem erkennt Viren und Bakterien an ihren Oberflächen.

Eine Impfung wirkt, vereinfacht gesagt so, dass unser Immunsystem die Oberfläche eines Krankheitserregers bereits kennt und – wenn dieser dann auftritt – vorbereitet ist und dadurch deutlich schneller reagieren kann. Das funktioniert aber nur, wenn sich bis dahin die Oberflächenstruktur nicht zu stark verändert hat.

Deshalb ist es eine sehr gute Nachricht, dass das neue Virus langsam mutiert und deshalb lohnt es sich sehr, die Epidemie gezielt zu bekämpfen, bis wir einen Impfstoff haben.