Was fleischfressende Pflanzen mit Massentierhaltung und Verbrennungsmotoren zu tun haben

Diese kleine Blume, ein Alpenfettkraut, botanisch Pinguicula alpina genannt, gehört zur ökologischen Gruppe der fleischfressenden Pflanzen. Der Ausdruck fleischfressende Pflanze ist sehr zu gespitzt. Diese Pflanzen fangen mehr oder weniger kleine Insekten. Das Alpenfettkraut fängt sie mit Hilfe der klebrigen Oberfläche ihrer Blätter.

Bei uns gibt es relativ wenige dieser fleischfressenden Arten: Sonnentau und Fettkräuter. In den Tropen hingegen gibt es viele weitere, zum Beispiel Kannenpflanzen. Die Pflanzen fangen die Insekten, um an Spurenelemente zu kommen, deshalb kommen sie vor allem in nährstoffarmen Ökosystemen vor.

Habt Ihr schon vom Konzept der planetaren Grenzen gehört? Es stammt aus dem Jahr 2009 und soll uns ermöglichen zu erkennen, in welchen Bereichen wir unsere Lebensgrundlagen überlasten.

Es gibt eine ganze Reihe von planetaren Grenzen, die wir als Menschheit gerade reißen. Am bekanntesten ist das sicher beim CO2-Ausstoß. Aber auch bei der Menge an Stickstoff, die in die Ökosysteme eingebracht wird, hat die Menschheit die planetaren Grenze weit überschritten.

Eine Folge davon ist, dass diese ungewöhnlichen Pflanzen in vielen Regionen vom Aussterben bedroht sind. Gerade nährstoffarme Ökosysteme sind stark gefährdet. Was aber sind die Hauptursachen dafür, dass viele Ökosysteme mit Nährstoffen überschwemmt werden?

Es gibt zwei Hauptquellen: die Landwirtschaft und den Verkehr. In der Landwirtschaft werden Kunstdünger und Gülle in erheblichen Mengen ausgebracht. Ein Teil dient der Ernährung der Kulturpflanzen – aber je nach Menge, Wachstum der Pflanzen und Bodenbeschaffenheit landet ein Teil im Grundwasser und verschmutzt es mit Nitrat. Ein Teil wird allerdins auch mit dem Wind verweht und landet so in der Atmosphäre.

Beim Verkehr entsteht die Stickstoffbelastung in Verbrennungsmotoren. Der Luftstickstoff, der in Form von N2 vorliegt und keine Auswirkung auf die Ökosysteme in Form von Dünger hat, wird dort in NOx umgewandelt. Diese NOx werden mit dem Regen ausgewaschen und reichern den Boden mit Stickstoff an.

Über die Luft findet in Deutschland, je nach Lage, eine Stickstoffgabe von 20 bis 40 Kg pro Jahr und Hektar statt. Dies führt zum Verschwinden der „fleischfressenden“ Fettkräuter und sehr vieler weiterer Blumen – und steht damit mit am Beginn des Insektensterbens und des Verschwindens vieler Vogelarten.

Wenn wir das Insektensterben und das Verschwinden bunter Blumenwiesen aufhalten wollen, müssen die Mengen an Stickstoff deutlich gesenkt werden, die wir unseren Ökosystem zumuten. Deshalb setzen wir auf mehr ökologische Landwirtschaft und die Verkehrswende. Dann können wir auch zukünftig noch solch spannende Lebewesen wie „fleischfressende“ Pflanzen bei uns erleben.