Waldliebe und warum Mykorrhiza-Pilze wichtig sind

Seit Stunden wandere ich durch Buchenwälder. Die Bäume sind zum Teil uralt und dicht mit Flechten bewachsen, wie auf dem Foto zu sehen ist. Manche sind bereits am Absterben und große Baumschwämme haben sich angesiedelt. An einzelnen Sonnenflecken sind trotzdem schöne kleine Blumen zu finden. Im tiefen Schatten des Waldes wachsen jetzt im Sommer nur sehr vereinzelt Blumen. Eine dieser Blumen ist die Stendelwurz, eine Orchideenart aus der Gattung Epipactis.

Diese Orchideenart ist eng verbunden mit Mykorrhiza-Pilzen. Mykorrhiza-Pilze spielen eine zentrale Rolle für das Überleben unserer Wälder. Fichten, Kiefern, Buchen, Eichen und Linden sind alle auf Mykorrhiza-Pilze angewiesen um zu gedeihen. Bekannte Vertreter sind Steinpilze, Pfifferlinge, Perlpilze und eine große Vielzahl weiterer Arten. In Europa gibt es ca. 1400 Arten. Mykorrhiza ist eine Zusammenarbeit zwischen Bäumen und Pilzen. Diese Zusammenarbeit wird Symbiose genannt.

Die Pilze vergrößern mit ihrem Geflecht im Boden (Hyphen genannt) das Wurzelvolumen der Bäume massiv. Dadurch werden die Bäume mit Wasser und Mineralstoffen beliefert. Im Gegenzug bekommen sie von den Bäumen Zucker aus der Photosynthese geliefert, denn diesen können die Pilze nicht selbst herstellen.

Wenn wir Mykorrhiza-Pilze essen, dann essen wir nur die oberirdischen Fruchtkörper des Pilzes (wie z.B. bei den Steinpilzen). Mykorrhiza-Pilze sind u.a. entscheidend für die Wasserversorgung der Bäume. Buchen oder Eichen können ohne diese gar nicht existieren. Durch die klimabedingte Trockenheit der vergangenen Jahre, stehen unsere Wälder unter massivem Dürrestress. Nun kommt auch noch hinzu, dass die Mykorrhiza-Pilze, die aufgrund der Trockenheit nochmal wichtiger sind, seit Jahren geschädigt werden. Schuld sind die überhöhten Stickstoffeinträge aus Landwirtschaft und Verkehr.

Im Verbrennungsmotor entsteht mit dem Luftstickstoff NOx, dieses wird ausgewaschen und kommt als Stickstoff in den Wäldern an. In der Landwirtschaft wird Stickstoffdünger verweht und landet ebenfalls in den Wäldern. Im Durchschnitt sind es 14 kg pro Hektar im Jahr, in manchen Gebieten in Deutschland sind es sogar bis zu 30 kg pro Hektar.

Eine neuere wissenschaftliche Untersuchung hat festgestellt, dass Mykorrhiza bereits ab 5,8 kg pro Hektar geschädigt wird. Manche Spezialist*innen vermuten, dass dies bereits bei unter 2 kg pro Hektar pro Jahr der Fall ist.

Durch die menschengemachte Klimakrise sind unsere Wälder massiv unter Druck und durch die Stickstoffüberdüngung schwächen wir Menschen nun auch noch ihre Abwehrkraft zusätzlich. Um unsere Wälder zu schützen brauchen wir deshalb dringend mehr saubere Energie, eine Verkehrswende und eine Agrarwende.