Von der Photosynthese

Vor 3,2 bis 2,8 Milliarden Jahren entstand auf der Erde eine neue Lebensform, die den Planeten und die Atmosphäre grundlegend verändert hat. Ich spreche von Vorläufern der Cyanobakterien, die die Fähigkeit entwickelten, Sauerstoff mithilfe von Sonnenenergie zu produzieren, also eine oxygene Photosynthese durchzuführen.

Die Atmosphäre war zu dieser Zeit noch nahezu sauerstofffrei. Der neue Sauerstoff wurde zunächst von Mineralien aufgenommen, genauer gesagt von Eisen.

Als all die Mineralien den Sauerstoff aufgenommen hatten, begann er sich in der Atmosphäre anzureichern. Für fast alle Lebewesen der damaligen Welt war Sauerstoff pures Gift. Sie starben aus oder wurden in kleine verbleibende sauerstofffreie Nischen gedrängt.

Gleichzeitig war nun aber nicht nur die Grundlage für die Atmung gelegt, sondern auch die Voraussetzung für komplexeres, vielzelliges Leben geschaffen. Seitdem verlassen sich das Leben und auch wir Menschen auf die Photosynthese zur Energiegewinnung.

Die erste große Krise der Energieversorgung in Europa ereignete sich gegen Ende des Mittelalters. Damals waren die Menschen, abgesehen von wenigen Wind- und Wassermühlen, bei ihrer Energieversorgung völlig auf die Photosynthese angewiesen, weil sie Holz verbrannten.

Der Bedarf an Holz war deutlich höher als nachwachsen konnte, sodass die Wälder großflächig zerstört wurden. Das hatte auch zur Folge, dass die Binnendünen, die nach der Eiszeit entstanden waren, wieder zu wandern begannen und mitten in Europa große wandernde Sanddünengebiete entstanden.

Diese erste große Energiekrise wurde zunächst durch die Nutzung von Kohle, später dann durch das Verbrennen von Erdöl und Erdgas überwunden. Diese fossilen Rohstoffe sind über viele hundert Millionen Jahre durch Photosynthese entstanden.

Kohle, Erdöl und Erdgas sind fossile Photosyntheseprodukte und in riesigen Mengen vorhanden. Durch ihre Verbrennung versorgen wir uns jedoch nicht nur mit Energie. Wir verändern fundamental unsere Atmosphäre und gefährden damit unsere eigenen Lebensgrundlagen.

Seit dem Beginn des Verbrennens von Kohle, Erdöl und Erdgas hat der Mensch große technische Leistungen erbracht und für viele – beileibe nicht alle – Wohlstand geschaffen.

Allerdings hat sich mithilfe all der technischen Entwicklungen auch der Anteil des Klimagases CO2 in unserer Atmosphäre von 280 ppm auf 415ppm erhöht. Der Mensch hat den Wärmehaushalt der Erde grundlegend verändert, mit tiefgreifenden Folgen wie dem ansteigenden Meeresspiegel.

Die Photosynthese ist eine sensationelle Jahrmilliarden alte biologische Form der Nutzung der Sonnenenergie. Dennoch müssen wir uns bei der Energieversorgung unabhängig von ihr machen.

Inzwischen haben wir Verfahren entwickelt, wie wir die Sonnenenergie und ihre Auswirkungen deutlich effizienter und umweltschonender nutzen können, zum Beispiel durch Photovoltaik.

Wir haben es also selbst in der Hand. Wenn es uns gelingt, die Energieversorgung grundlegend umzustellen, dann haben wir alle Chancen unsere Lebensgrundlagen zu erhalten.