Nur Veränderung schafft Halt

Deutschland ist bisher verhältnismäßig gut durch die Pandemie gekommen. Den  meisten Menschen geht es vergleichsweise gut.

Das zeigt: in unserem Land läuft im Vergleich zu fast allen anderen Ländern dieser Erde vieles ganz gut.

Nun stellt sich natürlich die Frage: Haben die Konservativen dann nicht Recht?

Sollten wir mit Veränderungen nicht vorsichtiger sein? Sollten wir – wenn überhaupt – Veränderungen nicht nur in sehr kleinen und überschaubaren Schritten herbeiführen? Sind die großen Pläne einer sozial-ökologischen Transformation unserer Wirtschaft und Gesellschaft nicht etwas übertrieben? Immerhin beinhalten sie nicht weniger, als eine

  • Verkehrswende
  • Energiewende
  • Agrarwende
  • den Umbau der Stahl- und Chemieindustrie
  • Einführung einer Kreislaufwirtschaft
  • mehr Mitbestimmung für Arbeitnehmer*innen und noch vieles mehr…

In normalen Zeiten könnte über diese Frage trefflich und geduldig gestritten werden. Doch auch dann wäre ich der Meinung, dass es sehr gute Gründe gibt den öffentlichen Raum in unseren Städten zu Gunsten von Fußgänger*innen, Radfahrer*innen, Bus und Bahn neu zu verteilen. Das ist auch aus Gerechtigkeitsgründen wichtig, denn eine Straßen verschaffen denjenigen Menschen Mobilität, die einen Führerschein besitzen und jederzeit Zugriff auf ein Auto haben. Bus, Bahn und sichere Fuß- und Radwege hingegen ermöglichen viel mehr Menschen Mobilität. Insbesondere dann, wenn Bus und Bahn behindertengerecht ausgebaut sind, wenn Fahrrad- und Fußwege barrierefrei sind und es für Menschen mit weniger Geld vergünstigte Tickets gibt. Auch aus Lebensqualitätsgründen brauchen wir eine Mobilitätswende, denn Autos benötigen sehr viel Platz, machen Lärm und sind insbesondere für Kinder gefährlich. Der gewonnen Platz hingegen kann zum Spielen, Verweilen, für Cafés und Gastgärten genutzt werden. Doch das ist nur ein Beispiel dafür, warum wir die sozial-ökologische Transformation gebrauchen.

Vor allem der Umbau unserer Wirtschaft und unserer Industrie, damit wir auf Kohle, Erdgas und Erdöl verzichten können führen uns die Dringlichkeit vor Augen. Wir als Menschen haben bereits so viel CO2 zusätzlich in die Atmosphäre eingebracht, dass wir nur noch 10 bis 15 Jahre Zeit haben um unsere eigenen Lebensgrundlagen zu retten. Und um in den nächsten 10 bis 15 Jahren den Umschwung nachhaltig eingeleitet zu haben, braucht es mehr als kleine Schritte. Im Gegenteil: wir brauchen tiefgreifende Veränderungen.

In einer Zeit in der sich die äußeren Rahmenbedingungen so stark verändern ist energisches eigenes Handeln gefragt denn je. Nur so erhalten wir was uns wichtig ist, nämlich unsere Lebensgrundlagen, unseren Rechtstaat und unsere Demokratie. All dies ist gefährdet, wenn wir nicht eine Reihe Dinge sehr grundlegend verändern.

In stürmischen Zeiten wie diesen schafft nur Veränderung Halt und Sicherheit.

Foto: Anne Schönharting