Lebende Fossilien

Vor über 80 Jahren entdeckte die Leiterin eines südafrikanischen Meeresmuseums im Fang eines Fischkutters einen Quastenflosser. Ihr fragt Euch vielleicht: Was hat ein Quastenflosser mit der Pflanze auf dem Foto und dem Kohleausstieg zu tun? Einiges.

Man geht davon aus, dass Quastenflosser vor rund 400 Millionen Jahren entstanden sind. Zumindest kennt man Fossilien von ihnen, die so alt sind.Bis vor 80 Jahren galt es als sicher, dass die Quastenflosser vor 65 Millionen Jahren ausgestorben sind.

Man ging davon aus, sie würden das Schicksal vieler anderer Tierarten teilen, die am Ende der Kreidezeit beim fünften Massenaussterben gemeinsam mit den Dinosauriern ausgelöscht wurden. Bis dato wurden keine fossilen Quastenflosser gefunden, die jünger als 65 Millionen Jahre sind. Und so war die Entdeckung eine wissenschaftliche Sensation.

Quastenflosser sind Vertreter einer Gruppe von Lebewesen, die als lebende Fossilien bezeichnet werden, da sie bereits seit Hunderten von Millionen Jahren auf der Erde vorkommen.

Auch bei uns kann man lebende Fossilien entdecken, wenn auch nicht so spektakulär wie Quastenflosser, aber mit viel größeren Konsequenzen für uns alle. Auf dem Foto seht ihr einen Schachtelhalm. Schachtelhalme gibt es seit 375 Millionen Jahren. Ein zweites lebendes Fossil, die Bärlappe existieren seit ca. 420 Millionen Jahren auf unserem Planeten.

Inzwischen sind die lebenden Fossilien bei uns nur noch krautige Arten, relativ kleinbleibende Pflanzen. Im Karbon, das vor rund 360 Millionen Jahren begann und 60 Millionen Jahre dauerte, waren Bärlapp- und Schachtelhalmgewächse noch 20 bis 40 Meter hohe Bäume. Sie waren wichtige Bestandteile der Steinkohlewälder, aus denen über die Jahrmillionen die Steinkohle entstanden ist.

Die Pflanzenwelt hat über die vielen Millionen Jahre, in denen die Kohle entstanden ist, riesige Mengen CO2 gebunden. Dieses CO2 setzt die Menschheit durch das Verbrennen von Erdöl und Kohle im Verhältnis dazu in kürzester Zeit frei und verändert unsere Atmosphäre grundlegend.

Die Veränderung unserer Atmosphäre hat eine Reihe katastrophaler Konsequenzen für unsere Lebensgrundlagen, vom Absterben der Korallenriffe, über die Zunahme von Dürren und Starkregen bis zum Anstieg des Meeresspiegels. Um unsere Lebensgrundlagen zu retten, müssen wir daher aufhören, die verkohlten Bärlapp- und Schachtelhalmgewächse zu verbrennen.

Selbstverständlich braucht es dabei Hilfe für die Regionen und die Arbeiter*innen, die in der Kohleindustrie tätig sind. Aber langfristig haben nur Arbeitsplätze eine Zukunft, die in Einklang mit dem Erhalt unserer eigenen Lebensgrundlagen stehen.

Ob in der Energieproduktion, in der Chemieindustrie, bei der Stahlproduktion und auch in der Mobilität – die Arbeitsplätze müssen auf CO2-freier Technologie beruhen. Die Ideen und Techniken, die es braucht, gibt es bereits: von der CO2-freien Stahlherstellung mit grünen Wasserstoff bis hin zur Produktion von Strom mit Windkraft und Photovoltaik.

Wir wissen so viel, wie noch nie in der Geschichte der Menschheit. Was es jetzt braucht, sind die politischen Mehrheiten, um die richtigen Rahmenbedingungen und Gesetze zu schaffen. Und da wir in einer Demokratie leben, könnt ihr uns alle dabei helfen.