Julia Klöckner and Toni Hofreiter looking at things

Es kommt nicht jeden Tag vor, dass ich die Landwirtschaftsministerin treffe. Und noch seltener passiert es, dass ich mit ihr – einer Politikerin, mit der ich in so vielen politischen Fragen weit auseinander liege – auf einen Bildschirm starre, um mir eine Software vorstellen zu lassen, mit der man Kuhställe plant. So etwas passiert nur auf der Grünen Woche. Ungeplant.

Eigentlich war ich gerade auf dem Weg in die Berlin-Halle. Dafür musste ich die Ausstellungsfläche des Landwirtschaftsministeriums durchqueren. Eine, das muss ich selbst als Oppositionspolitiker anerkennen, sehr stilvoll gestaltete Messehalle. An den Wänden wachsen Blumen und Gräser, in Holzkisten liegen Kartoffeln, Kohlköpfe und Wintergemüse und vermitteln eine ländliche Atmosphäre. Eine hölzerne Treppe führt auf ein Podest, auf dem sich eine „Riesling-Stube“ befindet. Die aufkommende Heimeligkeit wird nur durch den Zettel „bis 18:00 Uhr geschlossen“ geschmälert.

Als ich gerade beginne, mich über den Zettel zu amüsieren, kommt plötzlich Julia Klöckner die Treppe herab. Kurze Verwirrung. Dann zeigt sie mir die Messehalle ihres Ministeriums und stellt damit meinen straffen Zeitplan auf den Kopf. Schließlich landen wir vor dem Monitor mit den animierten Kühen.

Was die Landwirtschaftspolitik angeht, da trennen CDU/CSU und Grüne Welten. Ein Beispiel ist die Tierhaltung. Im Gegensatz zur Landwirtschaftsministerin glaube ich eben nicht, dass die Digitalisierung alleine alles besser macht. Sie kann uns punktuell bei einer besseren Tierhaltung helfen. Aber sie kann das System der industriellen Massentierhaltung nicht retten. Dessen Zeit ist abgelaufen.

Damit Bäuerinnen und Bauern ihre Tiere anständig halten können, braucht es bessere Regeln und eine gezielte Förderung. Und es braucht eine echte Fleischkennzeichnung, damit Verbraucherinnen und Verbraucher auf der Verpackung erkennen können, wie ein Tier gehalten wurde und die Leistungen der Bäuerinnen und Bauern mit ihrem Kauf entlohnen können.

In all diesen Bereichen – Regeln, Förderung und Kennzeichnung – passiert aber auf der Regierungsseite wenig bis nichts. Statt einer richtigen Kennzeichnung will Julia Klöckner nur ein freiwilliges Label. Das ist zu wenig, denn Regeln funktionieren nur, wenn sie für alle gelten. Kein Betrieb darf sich davor drücken können, die Haltungsbedingungen zu veröffentlichen.

Eine gute Landwirtschaftspolitik ist für alle Menschen da – nicht nur für die Agrarindustrie.