In Amazonien brennen wieder die Wälder

Im Kongobecken werden sie gerodet.

Ich kann diese Nachrichten nur schwer ertragen, denn bevor ich hauptberuflich Politiker geworden bin war ich Artenvielfaltsforscher. Ich habe u.a. in Südamerika geforscht. Ich war in den Wäldern unterwegs und habe Menschen kennengelernt, die in diesen Wäldern leben.

Die Zerstörung der Wälder nimmt nicht nur diesen Menschen ihre Heimat, sie zerstören auch einen der vielfältigsten Lebensräume, denn tropische Regenwälder sind die artenreichsten Ökosysteme unseres Planeten. Trotzdem sind sie noch immer erstaunlich schlecht erforscht. Das gilt für die Gebirgsregenwälder ebenso wie für die Tieflandwälder.

Es gibt in diesen Wäldern bspw. eine große Vielzahl von Epiphyten. Epiphyten sind Pflanzen die auf Bäumen leben. Sie sind keine Parasiten. Sie halten sich mit ihren Wurzeln lediglich an der Baumrinde fest und leben von dem, was der Regen bringt. Orchideen, Bromelien und Farne wachsen sehr häufig als Epiphyten. Die Orchideen, die ihr heute zum Teil in Baumärkten kaufen könnt, leben ursprünglich meist auch auf Bäumen. Hier fließt das Wasser schnell ab. Das ist auch der Grund, warum sie nicht zu viel gegossen werden dürfen.

Eine Gruppe von Pflanzen die besonders häufig in Gebirgsregenwäldern zu finden ist, sind die Baumfarne. Neben Pflanzen sind Affen und Papageien artenreiche Tiergruppen in den tropischen Wäldern. Bisher sind ca. 1 Million Tier- und Pflanzenarten weltweit wissenschaftlich beschrieben. 

Bei Untersuchungen in Tieflandregenwäldern wurden alle Tier- und Pflanzenarten eines einzelnen Baumes gezählt. Diese Untersuchung wurde für eine ganze Reihe von Bäumen gemacht. Das Ergebnis ist, dass die Anzahl der Tier- und Pflanzenarten deutlich höher ist als zuvor vermutet wurde. Schätzungen gehen davon aus, dass es weltweit ca. 10 bis 100 Millionen Arten gibt.

Es ist auch nichts Ungewöhnliches in tropischen Gebirgswäldern direkt am Wegesrand neue Arten zu finden, die der Wissenschaft noch immer unbekannt sind. Das betrifft Käfer ebenso wie auffallende Blütenpflanzen. Einigermaßen gut erforscht sind eigentlich nur Säugetiere und Vögel. Doch neue Arten werden nicht in Regenwäldern entdeckt, auch in den deutlich artenärmeren, höheren Breiten werden noch immer neue Arten entdeckt.

Die Zerstörung der Wälder hat nicht nur massive Auswirkungen auf die Klimakrise, sie hat auch die Ausrottung ganzer Arten zur Folge. Und das, bevor wir überhaupt die Chance haben, sie kennenzulernen. Das Traurige daran ist, dass mit jeder Art, die ausgerottet wird, eine einzigartige Lebensform verloren geht.

Woher kommt die Zerstörung der Wälder?

Das hat mit unserer Art zu wirtschaften mehr zu tun, als wir es wahrhaben wollen. Die Wälder in Amazonien werden zerstört, um u.a. Soja für die Massentierhaltung in Deutschland und Europa zu erzeugen. Die Wälder im Kongo hingegen werden zur Gewinnung von Holz zerstört. Hinzu kommt, dass die Klimakrise zur Zerstörung der tropischen Regenwälder beiträgt und die zerstörten Regenwälder wiederum die Klimakrise verstärken – ein Teufelskreis.