Was Wissenschaft kann

Das Hubble Teleskop hat im vergangenen Jahr das Licht eines hellen Quasars analysiert. Sein Licht war 12,8 Milliarden Lichtjahre zu uns unterwegs. Das Universum war zu diesem Zeitpunkt als das Licht abgestrahlt wurde erst ca. 1 Milliarde Jahre alt. Starke Quasare strahlen so hell wie Billionen von Sonnen.

Mit Hilfe des Teilchenbeschleunigers am CERN konnte 2012 das Higgs-Boson nachgewiesen werden. Das Higgs-Boson ist ein wichtiger Baustein im klassischen Modell der Elementarteilchenphysik. Es wurde bereits 1960 theoretisch postuliert und Jahrzehnte später gefunden.

Im Jahr 1953 ist es gelungen die Struktur der DNA Doppel Helix auf zu klären. Inzwischen ist die gesamte Basenabfolge des Menschen und vieler weiterer Lebewesen bekannt. Es ist möglich jahrzehntausende alte DNA zu entschlüsseln, z.B. die Erbinformation des Neandertalers. Daher ist bekannt, dass wir in unseren Genen einen geringen Anteil Neandertaler Gene haben.

Die Naturwissenschaft hat diese außerordentlichen Erfolge erzielt und nahezu niemand stellt sie in Frage. Im Verhältnis dazu sind die grundlegenden Erkenntnisse der Klimawissenschaft fast einfache Physik. Dass ein höherer Anteil des Klimagases CO2 in der Atmosphäre dazu führt, dass es wärmer wird, ist deshalb auch seit über 100 Jahren der Naturwissenschaft bekannt.

Die Erkenntnisse der Klimawissenschaft werden mit den gleichen naturwissenschaftlichen und methodischen Ansätzen gewonnen wie die drei oben genannten Beispiele. Der Hauptunterschied zwischen den oben erwähnten wissenschaftlichen Erkenntnissen und den Erkenntnissen der Klimaforschung, sind die Konsequenzen für unser eigenes Handeln – sowohl für uns individuell, als auch für uns als Gesellschaft. Während die Erkenntnisse der drei Beispiele zwar spannend sind und unser Verständnis der Welt grundlegend vertiefen, haben sie für jede*n einzelne*n von uns wenig direkte Folgen.

Aus den Erkenntnissen der Klimaforschung folgt, dass wir den Ausstoß von CO2 drastisch und schnell reduzieren müssen, wenn wir unsere Lebensgrundlagen nicht zerstören wollen. Das wiederum bedeutet nicht weniger, als dass wir unsere Industriegesellschaft grundlegend sozial-ökologisch transformieren müsse.

Warum gibt es dann noch Debatten in der Klimawissenschaft und warum wird über vieles noch kontrovers diskutiert? Weil die Erde ein hochkomplexes System ist, in dem noch nicht alles erforscht ist. Die grundlegenden Zusammenhänge sind aber durchaus klar.

Und intensive, weitere Forschungen lohnen sich! Es ist z.B. nicht klar, wie stabil zwei der großen Gletscher der Westantarktis sind: der Pine-Island Gletscher und der Thwaites Gletscher. Dabei sind beide Gletscher für die Stabilität des Westantarktischen Eisschildes zentral. Der Thwaites-Gletscher hat eine Fläche von etwas mehr als 190.000 Quadratkilometer und ist damit fast 5-mal so groß wie die Schweiz. Würde er zusammenbrechen und schmelzen, würde der Meeresspiegel um über 50cm steigen.

Alles weist darauf hin, dass der Gletscher ziemlich instabil ist. Es ist also von großer Bedeutung zu erfahren, wie instabil er ist und wie groß die Gefahr eines Zusammenbruchs ist.

Jegliche weitere Forschung ändert aber nichts an den grundlegenden Erkenntnissen der Klimaforschung und der Notwendigkeit zu schnellem Handeln!