„Es ist doch eh alles hoffnungslos“

„Es ist doch eh alles hoffnungslos“, diesen Satz höre ich immer wieder, wenn ich mit Leuten über die Klimaerwärmung spreche. „Wenn wir die Katastrophe wirklich noch abwenden wollten, müssten die Menschen doch alle Vegetarier werden oder aufhören zu fliegen oder SUVs zu kaufen.“ Sie tun es aber ganz offensichtlich nicht, also sei eh alles verloren. So geht die Argumentationskette. Sie begegnet mir überall: wenn ich im Zug angesprochen werde oder in Gesprächen mit Politikerinnen und Journalisten.

Es ist nicht so, dass ich nicht auch meine pessimistischen Momente habe, Augenblicke, in denen ich denke, es nicht mehr schaffbar. Es ist ja schon so viel in der Geschichte schief gegangen. Oder geht bereits schief. Der größte Gletscher Österreichs, die Pasterze, die auf dem Bild zu sehen ist, hat im vergangenen Jahr viele Meter an Eisdicke verloren.

Wir haben erste Gebiete auf der Erdkugel, wo Menschen sich bald nicht mehr im Freien aufhalten können, weil dort eine sehr hohe Temperatur und eine hohe Luftfeuchtigkeit zusammen kommen. In der Golfregion und in Pakistan war es in den letzten Jahren schon fast so weit.

Das Problem ist so groß und weltumspannend, dass der Einzelne sich schnell verloren vorkommt. Manche reagieren darauf, indem sie sich in eine Alles-Egal-Haltung flüchten, so wie in der Karikatur, die ich neulich gesehen habe, in der ein Autohaus sinngemäß mit „genießen Sie unsere SUV-Angebote, beim Klimaschutz ist eh alles wurscht“ warb.

Andere wiederum verbieten sich Urlaubsflüge. Aber nicht, weil sie wirklich glauben, dass sie dadurch die Katastrophe abwenden können. Sondern aus dem Gefühl heraus, sich zumindest nicht mitschuldig machen zu wollen, sich von späteren Generationen nichts vorwerfen lassen zu müssen.

Was beiden Gruppen fehlt, ist Hoffnung. Hoffnung, dass die Menschheitskatastrophe Klimaerwärmung noch abwendbar ist.

In der ökologischen Forschung gibt es einen berühmten Essay, er heißt die „Tragik der Allmende“. Ich habe davon als Teenager zum ersten Mal gehört, als ich angefangen habe, mich für Umweltschutz zu engagieren und es hat mein Denken und das einer ganzen Generation von Ökologen geprägt.

Die Allmende, die Gemeindewiese, die für alle Bauern zugänglich ist, ist eine Metapher: Für eine Ressource, die von allen genutzt wird und die, wenn ihre Nutzung nicht reguliert würde, von Einzelnen so ausgebeutet wird, dass es am Ende alle in den Ruin treibt. Warum? Weil der Gewinn für den Einzelnen – eine Kuh mehr auf der Gemeindewiese grasen zu lassen – den Verlust für den Einzelnen – dass alle Tiere weniger zu fressen haben – zunächst übersteigt. Bis eine Art Wettrüsten beginnt und die Allmende ruiniert ist.

Der Allmende-Vergleich wurde deshalb so bekannt, weil er in einer Zeit schwindender Ressourcen – Kohle, Öl, Fische in den Meeren, saubere Luft und sauberes Gewässer – die Frage stellte, wie mit den Gemeingütern der Menschheit umzugehen sei. Wer sich nur auf das Verantwortungsgefühl (oder die Schuldgefühle) Einzelner verlässt, bevorzugt die Egoisten und benachteiligt die Verantwortungsbewussten. Das ist die Tragik der Allmende, wie sie von Ökonomen und Ökologen immer wieder beschrieben wurde.

Ich würde ergänzen: Die meisten von uns haben das Potenzial beides zu sein: egoistisch und kurzsichtig und solidarisch und vorausschauend. Deshalb kommt es auf die Strukturen an. Genau darum gibt es die Politik.

Was nicht heißt, dass ich mich nicht über jeden freue, der sich bemüht klimaschonend zu leben. Ich versuche das auch. Aber am Ende glaube ich, dass es gemeinsame Regeln braucht. Was uns alle angeht, können wir nur gemeinsam lösen.

Ist es noch machbar? Ich glaube ja.

Ich glaube das übrigens wirklich.