Die Pandemie – Warum wir noch durchhalten müssen

Die Zahlen der Neuinfektionen mit SARS-CoV-2 steigen seit mehreren Wochen auch in Deutschland wieder an. Es gab an mehreren Tagen in Folge mehr als 4000 nachgewiesene Neuinfektionen. Im Vergleich zur ersten Welle der Infektionen im März und April wissen wir inzwischen relativ viel über die Infektionswege und die Krankheit COVID-19. Und man ist inzwischen auch besser in der Lage sie zu behandeln.

Es gibt drei Hauptansteckungswege: Schmierinfektionen, Tröpfcheninfektionen und Infektionen über Aerosole. Schmierinfektionen finden statt, wenn man eine Oberfläche, der Viren anhaften, mit den Händen berührt und sich anschließend ins Gesicht fasst. Gegen Schmierinfektionen kann man sich am besten schützen, indem man regelmäßig die Hände wäscht. Es ist nach allem was man weiß der unbedeutendste der drei Ansteckungswege, und man kann sich gut schützen.

Tröpfcheninfektion sind typischerweise möglich, wenn man einer ansteckenden Person zu nahe kommt, mit ihr unter ca. 1,5 m Abstand spricht, sich umarmt. Davor schützt Abstand und eine Alltagsmaske. Insbesondere, wenn auch die ansteckende Person eine Maske trägt. Deshalb ist das Tragen von Masken nicht nur aus Eigenschutz sinnvoll, sondern insbesondere zum Schutz des Gegenübers geboten. Denn man kann bereits ansteckend sein, bevor man Symptome bemerkt und auch symptomlose Infektionen können ansteckend sein. Dieser Infektionsweg ist sowohl im Freien als auch in geschlossenen Räumen möglich. Wenn der Abstand nicht eingehalten werden kann, gilt es deshalb, Masken zu tragen.

Über Aerosole kann man sich über deutlich größere Entfernungen als über 1,5 m anstecken. Dieser Ansteckungsweg ist insbesondere in geschlossenen Räumen möglich, die nicht ausreichend gelüftet werden. Dagegen hilft regelmäßiges Lüften. Um sich anzustecken, braucht es eine gewisse Virenmenge. Niemand steckt sich an nur einem Virus und auch nicht an 100 Viren an. Um sich anzustecken braucht es eine gewisse Zeit und Nähe. Deshalb ist es auch wenig überraschend, dass angesichts von Maskenpflicht in den öffentlichen Verkehrsmitteln und dem Abstandsgebot in der Öffentlichkeit, private Treffen und Feste die Haupttreiber des jetzigen Infektionsgeschehens sind.

Ich verstehe jede und jeden, die oder der genervt ist vom Virus und den Maßnahmen – Mir geht es genauso. Noch ein paar Monate auf ausgelassenes Feiern zu verzichten mag nicht schön sein, aber ich halte das für verkraftbar. Nicht verkraftbar wäre es hingegen, wenn es wieder notwendig wird, Schulen und Kitas zu schließen und die Wirtschaft weitgehend runter zu fahren. Klar es gibt Bereiche, wie die Veranstaltungsbranche und weitere große Teile des Kulturbetriebs, die weiter in großen Schwierigkeiten sind: Hier braucht es endlich eine vernünftige Unterstützung! Aber im Verhältnis zu März und April ist das meiste wieder am Laufen. Und all dies würden wir gefährden, wenn es zu einer exponentiellen Entwicklung käme. Deshalb ist es wichtig, dass wir weiter vernünftig sind. Denn die Lage bei der Impfstoffentwicklung ist nicht so schlecht. Natürlich kann niemand etwas mit hundertprozentiger Sicherheit versprechen, aber es ist eine ganze Reihe von Impfstoffen in der Entwicklung. Und bis Mitte nächsten Jahres kann man sich Hoffnung machen, dass die ersten Impfstoffe in der Anwendung sind, auch in der Breite. Deshalb gilt noch ein paar Monate: Durchhalten!