Der wahre Preis von unserem Obst und Gemüse

Bericht meiner Reise zu Feldarbeiter*innen in Spanien

Die meisten von euch wissen bestimmt, dass viele Dinge, die wir kaufen unter schlechten Bedingungen hergestellt werden. Oft denkt man zuerst an die Textilproduktion in Südostasien oder den Coltanabbau in Afrika. Unwürdige Arbeitsbedingungen gibt es aber auch hier in Europa, zum Beispiel in Spanien, wo jede Menge Obst und Gemüse für den deutschen Markt angebaut wird.

Im Gespräch in einem Zulieferbetrieb, in dem Gemüse verpackt wird

Ich war vorletzte Woche in Spanien und habe mir dort angeschaut, unter welchen Bedingungen Tomaten, Gurken & Co angebaut werden.
In Almería (Südspanien) haben mir Menschen, die auf den Feldern dort arbeiten, berichtet, wie schlecht ihre Arbeitsverhältnisse sind: Ihr Lohn liegt teilweise unter fünf Euro pro Stunde, es gibt Abzüge für Arbeitskleidung, unbezahlte Überstunden, nur zwei Minuten Zeit für Toilettenpausen, falsche Arbeitsverträge, spontane Freistellungen (natürlich ohne Lohn) und wer seine Rechte einfordert, erhält Kündigungsdrohungen.

Feldarbeiter berichten mir in den Räumlichkeiten der Gewerkschaft von den katastrophalen Arbeitsbedingungen

Die Arbeit ist körperlich sehr anstrengend, der Schutz der Arbeiterinnen und Arbeiter vor gefährlichen Einsätzen unzureichend, insbesondere wenn mit giftigen Pestiziden oder gefährlichen Maschinen hantiert wird.
Ich will keine Tomaten auf dem Teller, die aus solchen Bedingungen kommen. Und ihr bestimmt auch nicht. Das Problem betrifft in Südspanien übrigens sowohl die konventionelle Landwirtschaft als auch den Bio-Anbau.

Plastikmüll in der Landschaft, dahinter die schier endlosen Plastikdächer der Gewächshäuser

Supermärke haben Verantwortung für das, was sie verkaufen

ALDI, Lidl, Edeka & Co – Ihr habt Verantwortung! Ihr müsst sicherstellen, dass in euren Lieferketten die Arbeitsrechte eingehalten werden. Denn vor solchen Rechtsverletzungen darf man nicht die Augen verschließen. Die Zulieferer müssen die Rechte der Arbeiterinnen und Arbeiter respektieren. Billigpreise dürfen nicht auf Kosten der Menschenwürde gehen. Das Ziel muss sein: Jede Tomate, die bei Lidl, Rewe, Aldi & Co über das Kassenband geht, muss aus fairen Arbeitsbedingungen stammen.
 

Unterkünfte der Feldarbeiter

Die Bundesregierung darf nicht wegsehen

Es kann nicht sein, dass Lebensmittelkonzerne den Produzenten Dumpingpreise diktieren, bei denen menschliches Leid in Kauf genommen wird. Die Bundesregierung muss für faire Bedingungen in den Lieferketten sorgen. Sie darf die Ausbeutung auf den Obst- und Gemüseplantagen in Europa nicht länger schulterzuckend hinnehmen. Die Bundesregierung muss sich dafür einsetzen, dass Betriebe, die europäische Agrargelder bekommen, Mindeststandards bei den Arbeitnehmerrechten einhalten. Und im Zweifel muss die Bundesregierung Unternehmen, die ihren Profit durch menschenunwürdige Arbeit steigern und Arbeitsnehmerstandards mit Füßen treten, sanktionieren.
Es geht auch anders!
Nicht alle Betriebe produzieren unter solchen Bedingungen. Ich habe mir einen Bio-Betrieb angeschaut, der faire Löhne zahlt – es geht nämlich doch! Die Regeneration Academy in La Junquera bewirtschaftet 170 Hektar Land nachhaltig und regenerativ. Die Gegend ist grundsätzlich sehr trocken – es gibt wenig Niederschlag und mit die meisten Sonnenstunden Europas. Sorgen bereiten die vielen illegalen Brunnen, die manche Landwirte bauen. Das illegal gezapfte Wasser fehlt dann anderswo – z.B. in den Flüssen.

Trotz Dürre gibt es einige Pflanzen die hier gut von selbst gedeien, zum Beispiel Mandelbäume oder wie hier im Bild: Spanischer Salbei.

Agrarwende: Landwirtschaft muss ökologisch und sozial werden

Ausbeutung, Missachtung von Arbeitsrechten, Wasserknappheit, Dürre – vieles an der Reise nach Spanien lässt einen bedrückt zurück. Aber es muss eben nicht so sein. Wenn wir es anpacken, kriegen wir unsere Landwirtschaft auch ökologisch und sozial hin. Los geht’s, liebe Supermärkte! Raus mit den Ausbeutungstomaten aus euren Regalen.