Bewerbungsschreiben

Liebe Freundinnen und Freunde,

als ich angefangen habe, Politik zu machen, da ging es um Waldsterben, um aufgeschäumte Flüsse, um das Ozonloch. Ich bin in Wackersdorf gewesen und habe gegen die Atomkraft gekämpft. Heute haben viele Gewässer wieder Badequalität, der Atomausstieg ist bald geschafft. Wir haben mehr Gleichberechtigung und mehr Respekt für Lesben und Schwule erkämpft, die doppelte Staatsbürgerschaft erstritten – wir haben viel erreicht.

Und lange Zeit sah es aus, als ob alles weiter in Richtung Grün läuft. Doch jetzt erleben wir: der Ton in unserer Gesellschaft ist rauer geworden. Konflikte brechen neu auf. Unsere Anliegen, der Schutz unserer Lebensgrundlagen, eine humane Flüchtlingspolitik, eine solidarische Gesellschaft, geraten unter Druck.

In dieser Situation bewerbe ich mich bei Euch als Spitzenkandidat für die nächste Bundestagswahl. Unser aller Ziel ist es, mehr Menschen von uns Grünen zu überzeugen, damit wir dieses Land wieder aus der Regierung heraus gestalten können. Nicht als Selbstzweck, sondern weil es um etwas geht!

In turbulenten Zeiten wie diesen heißt es: Partei ergreifen! Für eine offene und solidarische Gesellschaft, für Menschenrechte, gegen alte und neue Nazis, für den Erhalt der Böden, für Klimaschutz und für eine gerechte Handelsordnung. Dafür wollen wir politischen Einfluss. Und dafür wollen wir gewählt werden! Schafft man das, indem man dem größtmöglichen Konsens dieser Gesellschaft nach dem Munde redet oder den Mächtigen unseres Landes hinterherläuft? Nein, dafür sind wir noch nie gewählt worden. Wir wollen möglichst viele Menschen für uns gewinnen. Das schaffen wir durch die Kraft unserer Überzeugungen, die Leidenschaft unseres Einsatzes, die Glaubwürdigkeit unserer Stimme. Ich will bei der Bundestagswahl ein klares Mandat für eine andere Politik erstreiten. Denn die ist notwendiger denn je.

Ich bin der Öko

Lange Jahre habe ich als Biologe über unsere Pflanzenwelt geforscht, mich mit den ökologischen Systemen dieses Planeten beschäftigt und mir die leise Katastrophe des Artensterbens angesehen. Es geht an Herz und Verstand gleichermaßen, wenn man sieht, wieviel bereits zerstört ist. Es bleibt unsere wichtigste Aufgabe, die menschliche Zivilisation an die ökologischen Grenzen unseres Planeten anzupassen.

Kohleausstieg, grüne Mobilität und Agrarwende – das sind Menschheitsaufgaben des 21. Jahrhunderts. Es ist nur unsere Partei, die hier vorausdenkt, antreibt und glaubwürdig handelt. Klar, wir haben viele Mitstreiter gewonnen. Deutschland hat sich bewegt, aber von Kohleenergie bis Massentierhalter, von Autoindustrie bis Saatgutgiganten: Die Blockierer sind noch da und sie sind stark.

Es ist unsere historische Aufgabe, einen neuen ökologischen Aufbruch zu organisieren. Ja, Umweltschutz beherrscht gerade nicht die Titelseiten. Aber wenn wir Grüne im nächsten Jahr Erfolg haben wollen, müssen wir verkörpern, dass wir diese Aufgabe annehmen. Dass das nicht ein Thema unter vielen ist. Dass wir bereit sind zu kämpfen. Dafür stehe ich.

Zusammenhalt braucht Gerechtigkeit

Wir müssen alle Menschen auf dem Weg des ökologischen Umbaus mitnehmen. Grüne Politik ist kein Life-Style sondern ein Life-Saver für die Menschheit! Und das wird nichts, wenn ärmere Menschen glauben, sich das nicht leisten zu können. Wir sind keine Partei einer bestimmten sozialen Schicht, sondern wir ergreifen Partei für mehr soziale Gerechtigkeit.

Da gibt es noch viel zu tun. Weil die Herkunft eines Menschen viel zu oft über seine Zukunft entscheidet. Weil sich Millionen in unsicheren Jobs abstrampeln und nicht weiterkommen. Weil Millionäre sich mit Steuertricks vor ihrem fairen Beitrag für unser Gemeinwesens drücken. Das müssen wir ändern. Wir können Deutschland gerechter machen.

Deswegen bin ich für bessere Schulen und Kitas, für einen Sozialstaat, der weder Kinder noch Alte in Armut leben lässt, für faire Löhne, für ein Steuersystem, das die riesigen Privatvermögen an der Finanzierung unseres Gemeinwesens gerecht beteiligt.

Deswegen kämpfe ich für eine faire Handelspolitik und gegen eine Globalisierung, die nur wenigen nutzt. Gegen TTIP und CETA, die ökologische und soziale Standards bedrohen und Investoreninteressen über die Demokratie stellen.

Und deshalb setze ich mich leidenschaftlich für unser gemeinsames Europa ein. Ohne eine starke EU können wir die großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts nicht lösen. Das gilt für Klimaschutz, den solidarischen Umgang mit Flüchtlingen oder die Regulierung des ungezügelten Kapitalismus gleichermaßen. Eine bessere EU kann unsere Antwort auf diese Fragen werden.

Die offene Gesellschaft offensiv verteidigen

Unser friedliches Zusammenleben ist in Gefahr – durch die alten und neuen Nazis, die Hassbürger*innen, die sich immer lauter und schriller zu Wort melden. Durch eine AfD, die Rassismus und Nationalismus schürt. Und durch eine CSU, die hemmungslos nach rechts rückt und unser Land vergiftet.

Da müssen wir gegenhalten. Wir lassen uns von einer lautstarken rechten Minderheit nicht in die Defensive drängen. Die Öffnung der Ehe für Alle oder echte Gleichberechtigung von Frauen – da sind wir noch nicht am Ziel und es gibt keinen Anlass für uns, hier nachzulassen. Wir werden uns auch nie abfinden mit einem Europa, das Mauern und Stacheldraht gegen Flüchtlinge hochzieht. Mitmenschlichkeit statt Hass, Solidarität statt Erbarmungslosigkeit – das sind unsere Werte!

Eigenständigkeit braucht klare Standpunkte

Im Wahlkampf wird es zur Sache gehen. Und nach dem Wahlkampf werden wir es mit schwierigen Partnern zu tun bekommen, wenn wir dieses Land wieder gestalten wollen.

Dabei werden wir nur dann Erfolg haben, wenn nicht der Eindruck entsteht, wir Grüne würden unsere Inhalte in vorauseilendem Gehorsam anpassen. Oder wir würden Konflikten und unbequemen Debatten ausweichen. Wir brauchen in diesen turbulenten Zeiten ein klares Profil, Geschlossenheit, vor allem aber Standhaftigkeit. Das alles will ich mit und für Euch verkörpern.

Lasst uns gemeinsam den Kampf für eine bessere Welt führen. Ich bitte Euch um Eure Stimme bei der Urwahl!

 


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