Forste und naturnahe Wälder in großer Gefahr

In vielen Gebieten in Deutschland sind die Böden das dritte Jahr in Folge deutlich zu trocken. Insbesondere in tieferen Bodenschichten herrscht zum Teil extreme Dürre.

Diese Entwicklung gefährdet Baumplantagen, Forste aber auch naturnahe Wälder in ihrem Bestand. Im April diesen Jahres stellte das Thünen-Institut fest, dass in Deutschland bereits 180.000 Hektar Wald tot sind. Fichten beginnen in manchen Regionen flächenhaft abzusterben.

Die Anteile der einzelnen Baumarten in den Wäldern und Forsten in Deutschland sind weit entfernt vom natürlichen Zustand. Fichten sind, wenn auch stark abnehmend, noch immer die häufigste Waldbaumart hierzulande. Eigentlich schätzen diese Bäume ein kühles, feuchtes Klima und kommen in natürlicher Weise bei uns nur in den Alpen und manchen Hochlagen der Mittelgebirge vor.

Waldkiefern sind die zweithäufigste Art. Natürlicherweise würden sie nur an sehr trockenen Standorten oder in Moorgebieten wachsen, weil sie sich in allen anderen Gebieten nicht gegen andere Baumarten durchsetzen können. Ohne das Eingreifen der Menschen wäre ein Großteil von Deutschland von Rotbuchenwäldern bedeckt. In etwas höheren Lagen teilweise mit einem zunehmenden Tannenanteil.

Durch die starke Veränderung des Klimas, eine höhere Durchschnittstemperatur, höhere Spitzentemperaturen, zunehmende Trockenheit und die Zunahme von Starkregenereignissen verändern sich die Bedingungen für den Wald und die Forstwirtschaft sehr grundlegend. Für uns Menschen ist das ein größeres Problem als langfristig für die Wälder.

Die Wälder Mitteleuropas sind durch die Eiszeiten der vergangenen gut zwei Millionen Jahre mehrere Male zerstört worden. Dabei sind auch eine ganze Reihe von Arten ausgestorben, die es nicht geschafft haben, schnell genug nach Süden auszuweichen. Doch nach der letzten Eiszeit vor knapp 11.000 Jahren begann eine Wiederbewaldung. Zu dieser Zeit lebten bereits steinzeitliche Menschen in Europa. Als erstes wanderten Birken, Kiefern und Haselnüsse ein, gefolgt von Ulmen, Linden und Eichen, zuletzt kamen die Rotbuchen.

Rotbuchen wurden zur dominanten Baumart in Mitteleuropa, da sie gerade durch ihre Schattentoleranz an den meisten Orten den anderen Arten überlegen sind. Dies geschah vielerorts allerdings erst vor rund 3.000 Jahren. Es dauerte also mehr als 8.000 Jahre vom Ende der Eiszeit, bis alle überlebenden Arten zurückgewandert waren.

Durch die Zerstörung der Wälder im Mittelalter und zu Beginn der Neuzeit, aber auch durch die Art der Forstwirtschaft wachsen bei uns viel zu viele Monokulturen und Altersklassenwälder. Diese Altersklassenwälder sind Forste, die nach einer festen, sich wiederholenden Abfolge bewirtschaftet werden: Pflanzung, Pflege, Kahlschlag und erneute Pflanzung. Im Gegensatz dazu verjüngt sich ein natürlicher Wald zeitlich und räumlich unregelmäßig. Dort wachsen Bäume unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Art nebeneinander.

Den geschwächten Wäldern setzt die Klimakrise heftig zu. Momentan ändern wir das Klima ähnlich fundamental, wie es damals zum Ende der Eiszeit auf natürliche Art geschah. Über die nächsten Jahrtausende hinweg könnten sich die Wälder durchaus selbstständig den neuen Klimabedingungen anpassen.

Die Natur hat diese Zeit – wir nicht. Wir sind auch in 10, 20 und 30 Jahren auf funktionierende Ökosysteme angewiesen. Deshalb ist es in unserem ureigenen Interesse, die Klimakrise so schnell wie möglich in den Griff zu bekommen. 

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👉 Der Dürremonitor des Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ stellt die aktuelle Entwicklung sehr gut dar: https://www.ufz.de/index.php?de=37937