75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz

Zum 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz erklären die Fraktionsvorsitzenden Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter:

 

Der Tag mahnt uns, die Shoah – die systematische Vernichtung von Millionen von Jüdinnen und Juden – niemals zu vergessen. Das Gedenken kann und darf kein Ende haben. Jeder Forderung nach einem „Schlussstrich“ gilt es  sich mit aller Kraft zu widersetzen. Die Aufarbeitung der Verbrechen ist unabschließbar. Und sie muss  vertieft und erweitert werden. Dazu gehört nicht zuletzt die Unterstützung der Arbeit an den KZ-Gedenkstätten. Gerade jetzt, da die letzten Zeitzeugen von uns gehen, ist es wichtig, dass das Wissen über die nationalsozialistische Vernichtungspolitik an junge Generationen weitergegeben wird. Nur so kann Deutschland seiner historischen Verantwortung gerecht werden und glaubwürdig für Demokratie und Toleranz einstehen.

Erinnern ist wichtig, aber nicht genug. Denn die oft beschworene historische Verantwortung bedeutet auch eine Verantwortung für das Hier und Jetzt. Es ist erschreckend, wie Hass und Hetze gegen Minderheiten oder politisch Andersdenkende zunehmen – ob mit physischer Gewalt auf der Straße oder durch Drohungen im Netz. Der furchtbare Anschlag von Halle war dabei der erschütterndste aber bei weitem nicht der einzige Angriff auf jüdisches Leben in Deutschland. Antisemitische Parolen werden schamlos verbreitet, jüdische Menschen unverhohlen aufgefordert, das Land zu verlassen, jüdische Schülerinnen und Schüler antisemitisch gemobbt und attackiert. Antisemitismus ist allgegenwärtig und ragt weit hinein in die Mitte der Gesellschaft. Antisemitismus ist ein Angriff auf die gesamte Demokratie und es ist unsere gemeinsame Aufgabe, alles dafür zu tun, dass Deutschland ein sicherer Ort für Jüdinnen und Juden ist.

Dazu gehört klarer Widerspruch – nicht zuletzt auch in den Parlamenten. Stimmen, die die historische Schuld Deutschlands kleinreden und einen angeblichen „Schuldkult“ beklagen, treten wir entschieden entgegen. Alle Demokratinnen und Demokraten in diesem Land müssen gemeinsam dagegen ankämpfen, dass antisemitische und menschenfeindliche Ressentiments das Zusammenleben weiter vergiften.