9. November: Tag der Trauer und der Freude zugleich

Zum 9. November erklären die Fraktionsvorsitzenden Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter:

Der 9. November ist das widersprüchlichste Datum der deutschen Geschichte: Er ist zugleich ein Tag des Entsetzens und ein Tag der Freude, ein Tag des Hasses und der Freiheit. Heute vor 79 Jahren wurden jüdische Geschäfte und Einrichtungen zerstört und Synagogen in Brand gesetzt. Mit den Novemberpogromen begann die systematische Entrechtung und Ermordung jüdischer Bürgerinnen und Bürger, sie stehen für den Beginn des Massenmordes an Juden, Roma und Sinti, Homosexuellen, Behinderten und Andersdenkenden. Der 9. November erinnert uns an die bleibende Verantwortung für die deutsche Geschichte. Es kann und darf keinen „Schlussstrich“ unter die NS-Verbrechen geben, die Aufarbeitung der Geschichte ist nie zu Ende. Eine „erinnerungspolitische Wende“ wird es nicht geben! Wer das Vergangene vergessen machen will, will die Fehler der Vergangenheit wiederholen.
Ein Tag der Freude ist der 9. November, weil am 9. November 1989 die Berliner Mauer fiel. Damit ist die Mauer dieses Jahr genauso lange gefallen, wie sie einst gestanden hat. Ihr Fall vor 28 Jahren bedeutete das Ende des DDR-Unrechtsstaats und für Millionen Menschen den Beginn eines Lebens in Freiheit. Ohne den friedlichen Kampf der DDR-Bürgerbewegung wäre es nicht dazu gekommen. Der 9. November erinnert uns somit daran, dass Geschichte von Menschen gemacht wird und verändert werden kann. Und daran, dass die offene Gesellschaft immer wieder aufs Neue gegen ihre Feinde erkämpft und verteidigt werden muss.